• Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch einen Klettersteig begehen. Allerdings ist ein gutes Gleichgewichtsgefühl, Kraft in den Beinen und Armen, sowie Schwindelfreiheit unerlässlich. Das alles kann man entsprechend trainieren! Des Weiteren ist eine angemessene Ausrüstung notwendig.

  Information

Die Planung einer Klettersteigtour beginnt mit der Sichtung der entsprechenden Literatur. Zahlreiche Publikationen, wie auch das Internet bieten umfangreiche Beschreibungen. Oft lassen sich die aktuellsten Zustände der Steige durch zeitnahe Infos in den Klettersteig-Webseiten abrufen. Wetterinfos sind einzuholen und entsprechend die Planung abzustimmen. Neben den Schwierigkeitsgraden sind auch Notausstiege und Rückzugsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Man unterscheidet heute hauptsächlich zwei verschiedene gesicherte Klettersteiggruppen.

  • Sportklettersteige sind meist talnah gelegen, wodurch die vorhandenen Kräfte durch einen langen Zustieg nicht verbraucht werden. Die Wegstrecke wird überwiegend am Stahlseil zurückgelegt, oft sind senkrechte oder überhängende Passagen eingebaut, die nur mit entsprechender Muskelkraft und Technik gemeistert werden können.
  • Alpine Klettersteige sind meist zeitaufwendiger, haben einen mehr oder weniger langen Zustieg und erfordern Bergerfahrung. Eine komplette Ausrüstung und das Wissen wie man damit umgeht sind hier elementare Voraussetzungen. Eine gute Kondition ist gefordert, damit Kraftreserven am Einstieg noch verfügbar sind. Das Risiko ist komplex, da neben den Wetterbedingungen auch die subjektiven Gefahren am Berg eine beachtliche Rolle spielen.
  • Ausrüstung

Zur kompletten Ausrüstung gehört die notwendige Kleidung, um sich gegen Wind und Wetter zu schützen, Helm und Klettersteigset, Handschuhe, Proviant, Trinkflasche, Handy, Erste-Hilfe-Material, Rettungsdecke und bei langen Touren ein Biwaksack.

Dem Klettersteigset kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Es besteht aus einem Kombi- bzw. Hüftgurt und dem
Y-Klettersteig-Set (Y-Seil, Seilbremse, 2 Klettersteigkarabiner)

ausruestung

Es soll vor einem Absturz schützen.

Zwei Bänder mit speziellen, gut bedienbaren Karabinern und als Herzstück, ein Fangstoßdämpfer, stellen sicher, dass ein Sturz am Klettersteig nicht als Katastrophe endet. Der Fangstoßdämpfer bewirkt, dass die Kräfte, die beim Sturz entstehen, auf ein erträgliches Maß reduziert werden, indem beim Erreichen eines bestimmtem Kraftwertes das Seil durch die Bremse rutscht und der Bremsvorgang dadurch dynamisch wird.

  • Da der Vorgang des Umhängens sehr häufig durchgeführt werden muss, zahlt es sich aus, beim Kauf sehr genau auf das Verschlusssystem der Karabiner zu achten. Eine schnelle Bedienung ohne zusätzliche Manipulation ist ideal. Herkömmliche Karabiner sind wegen der hohen Querbelastung bei einem Sturz ungeeignet.

Das Y-Klettersteig-Set wird mittels Bandschlinge mit dem Kombi- bzw. Hüftgurt verbunden.

bandschlinge2

  • Technik

Wie gut die Klettersteigtechnik funktioniert, liegt einmal an der eigenen Geschicklichkeit, zum anderen an der Art der verwendeten Karabiner. Je schneller das Umhängen abläuft, um so weniger Kraft wird verbraucht. Das oberstes Gebot ist:

Kraft sparend klettern und gehen.

  • Die eigentliche Klettersteigtechnik besteht aus der permanenten Sicherung, wobei beide Karabiner immer in das Stahlseil / die Kette eingehängt sind.
  • An einer Verankerung des Stahlseiles / der Kette, erfolgt das Umhängen immer einzeln.
    • Erst nach Griffen und Tritten suchen, dann weitersteigen.
    • Nicht außer Atem kommen. Auswirkung auf Konzentration und Psyche durch Atempausen berücksichtigen.
    • Mit den Beinen steigen, Arme nur zum Sichern einsetzen, außer es geht nicht anders.
    • Mit langen Armen klettern, möglichst wenig anwinkeln! Die Körperspannung entlastet die Arme. Das Halten am gebeugten Arm kostet sehr viel mehr Kraft.
    • Körperschwerpunkt (Becken) weg vom Fels nehmen. Er sollte über den Trittflächen liegen. Alles andere kostet entweder Kraft oder bedingt ein labiles Gleichgewicht.
  • Bei Steilpassagen umhängen, sobald die Verankerung in bequemer Griffweite ist. Das reduziert eine eventuelle Fallhöhe und verhindert das Hängenbleiben an einer Verankerung beim Hochsteigen.
  • Sicherheit im Klettersteig
  • Schon beim Zustieg im Wandbereich, aber insbesondere auch beim Anlegen des Klettersteigsets am Einstieg, ist das Aufsetzen des Steinschlaghelmes bereits erforderlich.
  • Nach dem Anlegen des Klettersteigsets empfiehlt sich das Einhängen und Prüfen des Sets durch einen Sitztest.
  • Beim Gehen im Klettersteig sollte sich immer nur eine Person zwischen zwei Fixpunkten befinden.

Wie unter „Technik“ bereits erwähnt, werden beide Karabiner am Drahtseil eingeklinkt und mitgeführt. Bei Verankerungen wird erst der eine, dann der andere Karabiner in die neue Passage eingehängt, damit man dauernd mit mindestens einem Karabiner gesichert ist.

  • Beim Umhängen auf sicheren Stand achten.

Qualität der Sicherungselemente beurteilen. Sicherungen und Seile können beschädigt sein. Vorsicht vor scharfen Metallteilen und Drähten (Handschuhe tragen!). Unter Klebeband können Seile durchgerostet sein!

  • Zusätzliche Bandschlinge mit Karabiner (Express-Schlinge) mitführen zur Entlastung an schwierigen Umhängestellen.

bandschlinge1

Kraftreserve = Sicherheit.