Salzkammergut-Berge (Begehung15.06.2012)
 
 Ein Video im Internet brachte mich auf die Idee, diesen neuen Klettersteig am Südende des Attersees zu besuchen. Der KS sollte laut Beschreibung überwiegend im Schwierigkeitsgrad A/B mit einigen Stellen C/D liegen. Da in vielen höher gelegenen KS noch Schnee die Begehung erschwert, kam mir diese Tour gerade recht. Durch die perfekten Videoaufnahmen wo eine große Gruppe im Aufsteig bis zum Gipfel zu sehen war, hatte ich einen Hinweis auf die Freigabe des Klettersteigeserst Ende Juni zur Eröffnung wohl übersehen bzw. gab das Video den Eindruck, dass der Steig ab sofort zu gehen war. (warum auch sonst dieser ausführliche öffentliche Film).
 
Am vorgeschlagenen Parkplatz angekommen, suchte ich den beschriebenen "Nikoloweg" und fand schließlich auch einen entsprechenden Wegweiser. Der beschriebene kurze Zustieg (30 min.) führte endlos lange um den Berg herum, begleitet von alphabetisch bezeichneten, nicht zu übersehenden Schutzwald-Tafeln. Endlich bei der mit "C" markierten Tafel traf ich 2 Kletterer die ratlos vor einem Hinweis auf den immer noch gesperrten Klettersteig standen. Hätte ich diesen Hinweis schon am Anfang des Weges gefunden, wäre ich wohl zum "Loser-Sissi-Klettersteig" weiter gefahren. Da ich aber jetzt schon kurz vor dem Einstieg stand und auch gerade noch einheimische Kletterer ankamen, die wohl besser informiert waren und zielstrebig zum Einstieg hochstiegen, schob ich meine Bedenken beiseite und wandte mich auch auf dem nur schwach ausgetretenen Pfad der Wand zu. Einen KS der überwiegend aus A- und B-stellen bestand, könnte man ja durchaus bei einer etwaigen Unterbrechung der Sicherungen auch wieder absteigen, dachte ich mir.
 
Schon der Zustieg war ausgesprochen erdig und bis etwa zur Mitte des KS war es in der überwiegend nordseitig ausgerichteten Wand nass und rutschig. Damit relativiert sich eine bei völliger Trockenheit durchgeführte Schwierigkeitsbewertung. Die meiste Zeit war ich mit dem Drahtseil beim Umhängen der Karabiner beschäftigt, da die Drahtseilbefestigungen sowie eine über A hinausgehende Schwierigkeit zu meistern war, sehr nahe aufeinander folgen. Die Befestigungen hatten es auch in sich! Sie waren so nahe an der Wand angebracht, dass die Sicherungskarabiner des Klettersets ständig hängen blieben und auch an Felsberührungspunkten umgesetzt werden mussten. Also Karabiner ständig nach dem Umhängen klarieren und mit einer Hand mitnehmen. An der "Weissen Wand" war die gesamte Passage durch von oben herablaufendes Wasser total nass und mit Erde verschmiert. Interessant sind die angebrachten Eisenstifte die gerade mal ca. 7 cm aus der Wand ragen. Damit ist zwar der Aufstieg in der glatten Wand problemlos, aber doch stark gewöhnungsbedürftig. Besser wurde es nach der "Weissen Wand" wo die Sonne ihre Wirkung enfaltete. Ab hier war der KS trocken, allerdings auch überwiegend mit kurzen Unterbrechungen sehr leicht. Im Gipfelbereich kamen noch einige anspruchsvolle Stellen, die aber durch die "Benagelung" mit kurzem Anlauf locker zu überwinden waren. Die Sicherung ist durchgehend perfekt.
Der Absteig über den Normalweg mit Abstecher zum Schoberstein bot noch einmal eine eindrucksvolle Rundumsicht und über unzählige Kehren ging es wieder ins Tal zurück.
 
Fazit:
Das Highlight der Tour ist die gigantische Aussicht. Da man meistens auf einem steilen Grat oder in einer steilen Wand klettert, sind die Tiefblicke auf die umliegenden Seen und Berge einmalig. Die Kondition ist gefordert, da es eine lange Tour ist.
Die "Felsfun" hielt sich in Grenzen, da man nur selten den Kletter-Felskontakt hat. Bei Nässe und vorausgegangenen Regentagen (wie bei mir) ist die Tour wegen des hauptsächlichen Schrofengeländes nicht ideal zu gehen. Der KS stellt sich dann anhand der Schwierigkeitsbewertung A/B mit einigen Stellen C/D leichter dar, als er in Wirklichkeit ist!
 
Der naheliegende "Drachenwand-KS" bleibt also neben einigen weiteren Super-Klettersteigen im Salzkammergut mein Favorit.

Video aus dem Klettersteig


felsfun.de -