(Großer Priel 2515 m - Totes Gebirge)

Die Schönwetterperiode hält weiter an und für die kommenden Tage ist störungsfreies Wetter angesagt. Schon wieder juckt der Bergschuh! Eine bekannte Website beschreibt denBert Rinesch KSals einen der"herausforderndsten und größten Klettersteige der Alpen".Grund genug für mich, in's Tote Gebirge zu fahren und diese Anlage kennen zu lernen.

Ich bin schon gestern von München ins Dachsteingebiet gefahren und stehe gegen 8 Uhr morgens auf dem Parkplatz Johannishof in Hinterstoder. Der Zustieg ist sehr lang und führt von 591 m Seehöhe über das Prielschutzhaus hinauf zum Einstieg auf 2300 m. Der KS ist anspruchsvoll und durch die Leitern im Mittelteil erheblich Steinschlag gefährdet. Eine Bergsteigerin folgt weit hinter mir und ich befinde mich gerade im langen Quergang nach der sogenannten Lokomotive, als plötzlich ein gewaltiger Steinschlag die Luft um mich herum erzittern läßt. Es dröhnt und kracht und zeitweise kann ich die Richtung des Steinschlages nicht mehr richtig lokalisieren. Eng schmiege ich mich an die Wand und bin froh, daß diese über mir überhängend ist. Es müssen wohl Anfänger vor mir unterwegs sein, denn das oberste Gebot beim Klettern ist eine umsichtige Gangart im Gelände um die Gefährdung für Nachkommende auf ein Minimum zu beschränken. Als sich der Berg wieder beruhigt hat, gehe ich weiter und nähere ich mich einer Vierergruppe die sich gerade im Bereich der Eisenleitern nach oben kämpft. Ich schreie zu ihnen hinüber, sie sollen Steinschlag vermeiden, denn wenn ich zum Überholen ansetze und in den Leitern nach oben steige, habe ich keinerlei Schutz. Der obligatorische Steinschlaghelm ist wirklich nur ein geringer Schutz, dessen muß man sich bewußt sein. Einerseits schützt er nur vor kleineren Steinbrocken und andererseits ist eine durch Steinschlag zermalmte Hand oder Schulter im Hochgebirge auch lebensbedrohend. Ich schalte meinen "Nachbrenner" ein und eile die Leitern hinauf. Nach kurzer Zeit habe ich die Gruppe eingeholt, die glücklicherweise sowieso nur langsam voran kommt und des öfteren Pausen einlegt. Den Rest des KS zum Gipfel des Großen Priels lege ich ohne weitere Zwischenfälle zurück.

Beim Abstieg auf dem Normalweg über den Westgrat zur Brotfallscharte genieße ich die prächtige Aussicht. Kurz vor der Brotfallscharte läßt sich eine Gemse mit ihrem Jungen aus nächster Nähe fotografieren als wäre sie im Tierpark. So furchtlos habe ich Gemsen noch nie gesehen, denn normalerweise sind sie ausgesprochen menschenscheu. Auf versichertem Steig geht es dann bis zu einem Schneefeld im Kühkar hinunter. Dann zieht sich der lange Weg am Prielschutzhaus vorbei wieder bis zum Auto hinaus.

Mit einem leichten "Knieschnackler" erreiche ich am Abend mein Auto und lasse sofort ein kühles Weißbier hinunter zischen! Ich ziehe Bilanz und reihe den KS in einen hauptsächlich konditionsfressenden KS ein, der aber bei Übernachtung auf dem Prielschutzhaus sicher lockerer gegangen werden kann. Technisch stellte er keine großen Forderungen an mich, da alle sicherungsrelevanten Griffe und Tritte ausreichend vorhanden waren. Insgesamt aber war es eine grandiose Unternehmung die ich nicht missen möchte.

Und weil's so schön war, fahre ich noch heute weiter nach Eisenerz, um dort eine nagelneue Ferrata zu besuchen.

 

Ein letzter Rückblick auf den ungefähren Klettersteigverlauf vom Prielschutzhaus auf den Großen Priel.

Dann geht es weiter mit Knieschnackler zum Auto zurück.