(Mitterhorn 2506 m, Loferer Steinberge)

Einer meiner noch offenen "Extrem-Klettersteige" ist der Nackete Hund gewesen. Deshalb musste dieser KS endlich dran glauben. Der Zustieg von Weißleiten durch das Lastal bis hinauf zum Wehrgrubenjoch fordert schon einige Kondition. Als ich schließlich nach 3 1/2 Stunden vor dem unspektakulären Einstieg stehe, steigt mein Adrenalinspiegel an. Ungesichert geht es die ersten Meter um eine Ecke herum und von einem Drahtseil ist nichts zu sehen. Erst am Ende eines Bandes beginnt die Sicherung. Tief unter mir liegt die Schmidt-Zabierow-Hütte und hier oben weht trotz Sonnenschein ein kalter Wind. Der KS ist offensichtlich einer meiner leichtesten "Extrem-Klettersteige", alle schwierigen Stellen sind gut gesichert und an den Umhängepunkten ist überall ein sicherer Stand vorhanden. Das Highlight des KS ist jedenfalls die gigantische Bergkulisse und die Aussicht ringsum. Dafür hat sich die Tour gelohnt. Bei schlechtem Wetter wären einige ungesicherte Passagen bei starkem Wind sicherlich gefährlich. Die letzten Meter zum Gipfel des Mitterhorns ist durch das unübersichtliche Schrofengelände noch einmal Konzentration gefordert um nicht unter den Augen der bereits am Gipfel versammelten "Normalbergsteiger" einen Abflug ins Tal zu machen.

Den Abstieg beginne ich auf dem Nurracher Höhenweg der nach Nordwesten vom Mitterhorn hinab führt. Nach kurzer Zeit zweigt auf diesem Weg der Pfad ins Lastal deutlich markiert nach links ab. Hier zeigt sich auch wieder, daß der zwar perfekt markierte, ungesicherte Abstieg oft gefährlicher ist, als der Klettersteig. Immer wieder sind kurze Stellen abzuklettern und der Pfad führt steil durch die Felswände hinab zur Schneegrube und zurück zum Aufstiegsweg im Lastal. Nur gut, daß ich alleine unterwegs bin, denn einem eventuellen Steinschlag wäre ich im unteren Teil des Weges schutzlos ausgeliefert. Im Abstieg komme ich am Einstieg des "Hinterhorn-KS" vorbei. Hätte ich von diesem KS gewußt, wäre es sicher eine super Abstiegsvariante gewesen. Endlos lange zieht sich der Abstieg dahin und ich bin froh, nicht über den Nurracher Höhenweg, der mir 2 Stunden mehr beschert hätte, abgestiegen zu sein.

So geht ein schöner Bergtag zu Ende, wobei sich das Klettersteig-Vergnügen in Grenzen gehalten hat.

Bilder aus dem Klettersteig