Gamsleckenwand 1040 m, Salzkammergutberge

Sonniges Herbstwetter hatte der Wetterbericht angesagt. Als ich aber gegen 9 Uhr an der Mautstelle zur Postalmstraße ankomme, herrscht dichter Nebel.

Auf dem Weg zum Einstieg ziehe ich bereits meinen Regenanorak an. Durch den Mischwald steige ich zur ersten Drahtseilbrücke, dem Beginn des KS hoch. Die Schwierigkeit ist mit C angegeben, was für mich eigentlich ein Spaziergang sein sollte. Als ich aber die "Seufzerbrücke" betrete, rutscht mir das Herz in die Hosentasche! Das Sicherungsseil ist so hoch gespannt, daß ich mit meinen 176 Größe regelrecht in meinem Klettergürtel aufgehängt bin. Bei jedem Schritt muß ich erst meine Sicherungskarabiner mit Anstrengung nach vorne schieben, um dann auf den weit auseinander liegenden Holzbrettern, die naß und mit rutschigem Laub bedeckt sind, weiter zu gehen. Dazu schwankt die Brücke und ein in Hüfthöhe gespanntes Perlonseil das als Handlauf dienen soll, ist auch keine große Hilfe.


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Eigentlich will ich umkehren und diesen Mist vergessen, aber mit jedem Schritt nach vorne, wird natürlich auch der Rückweg länger und so schaffe ich schließlich doch die über 40 Trittbretter der Hängebrücke zu überwinden. Dann geht der rutschige Waldpfad weiter. Das Drahtseil liegt durchgängig am Boden und auf Eisentrittstiften geht es in der Postalmklamm an der Wand entlang zur nächsten Überraschung. Es ist die "Hangelbrücke", die auf einem über die Schlucht gespannten Drahtseil und einem Sicherungsseil gequert wird. Wieder steigt meine Herzfrequenz, aber es geht wider Erwarten gut hinüber. Nach einer weiteren Wandpassage stehe ich vor dem "Gattsprung". Die Schluchtwände der Klamm stehen ca. 3 m auseinander und auf jeder Wandseite befindet sich eine überdimensionale Trittklammer, weit unten rauscht der Klammbach. Oben läuft ein Sicherungsseil in das ich mich einhänge. Für einen Spreizschritt liegen die Klammern zu weit auseinander. Ich überprüfe noch einmal meinen Klettergürtel, ob alles 100-prozentig in Ordnung ist. Dann schimpfe ich vor mich hin, daß das alles mit einem "Klettersteig" wirklich nichts mehr zu tun hat. Ich überlege noch kurz, was passiert, wenn ich bei dem Sprung am Sicherungsseil hängen bleibe und die Klammer verfehle, bevor ich aber ins Grübeln komme, springe ich einfach hinüber! Drüben angekommen, bin ich erleichtert und schnaufe erst einmal tief durch. Die im weiteren Verlauf des Weges folgende  "Wasserfallbrücke" und die nasse und schmierige "Karstquellenwand" bereitet mir keine Schwierigkeiten mehr, denn mittlerweile habe ich mich an diesen "Abenteuerpfad" gewöhnt. Es geht jetzt auf einem gut markierten Waldweg hinauf zur "Gamsleckenwand".

Bilder aus dem Klettersteig

Video aus dem Klettersteig


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Im Sommer bei trockenem Wetter und Sonnenschein ist dieses Unternehmen sicher ein Erlebnis, aber ich marschiere immer noch in dichtem Nebel durch den Wald. An der "Gamsleckenwand" stelle ich überrascht fest, daß dieser Teil offenbar völlig trocken ist. Meine Kletterhandschuhe sind mittlerweile völlig durchnässt und so erlebe ich das erste Mal bei meinen Klettersteigtouren, daß ich in einer schwierigen Stelle beim Zupacken am Drahtseil abrutsche. Mir bleibt fast die Luft weg und schnell hänge ich mit letzter Kraft eine Expreßschlinge in das Sicherungsdrahtseil ein. Im Klettergürtel sitzend sammle ich neue Kraft, präge mir die nächsten Schritte genau ein und überwinde im zweiten Anlauf mit "Top Speed" diese Stelle.

Am Ende dieser Wand könnte ich jetzt durch den Wald direkt zur Braunalm und weiter ins Tal ansteigen. Mich interessiert aber noch die "Dschungelbrücke". So stapfe ich weiter der Markierung folgend auf dem rutschigen Pfad hinauf. Plötzlich stehe ich am Rande eines Baches an einem Baum wo nur noch einige Befestigungsteile einer Seilbrücke zu sehen sind. Vor mir kann ich deutlich die Wegmarkierung erkennen, aber weit und breit keine Brücke, keine Hinweistafel, nichts! Sollte der "Abenteuerpfad" hier zu Ende sein? Ich gehe auf dem Pfad wieder zurück und finde nach einiger Zeit doch eine weiter führende markierte Spur, die mich zu einer letzten, den Bach überquerenden Drahtseilbrücke führt. Nach dieser letzten Drahtseilaktion ist der "Abenteuerpfad" hier zu Ende.

Über die Straße und einen markierten Wanderweg komme ich wieder zurück zum Auto. Vielleicht komme ich ja noch einmal bei schönem Wetter zu dieser Tour zurück, rein zum Spaß, aber bergsteigerisch ist das Unternehmen nicht interessant.

Ein ständiges Gefühl der Beklemmung in der engen, finsteren Schlucht, gewaltiger Lärm durch das tosende Wasser und ständige Mutproben beim Überqueren der Schlucht,  bestimmten den überwiegenden Tourenverlauf.