(Weißschrofenspitze 2752 m - Arlberg)

Kurz vor St. Anton am Arlberg in Pettneu verbringe ich auf einem Campingplatz die Nacht. Der neue Morgen beginnt mit einem Superwetter, weshalb ich auch schon früh zu meiner Arlbergtour aufbreche. Der einfachste Zugang zum KS führt über die Galzig/Vallugabahn zum Valfagehrjoch. Nach der Klettersteig-Überschreitung zur Weißschrofenspitze kann man mit dem Kapall-Sessellift und der Gampenbahn wieder zum Ausgangspunkt in St. Anton zurückfahren. Damit ist es bei normaler Gehzeit eine durchaus mögliche Tagestour. Wenn eben auch die vorgenannten Bergbahnen in Betrieb sind! Auf dem Campingplatz erfuhr ich, daß die Vallugabahn gerade im Umbau sei und ich nur mit der Kapallbahn zum KS gelangen könne. Weiter erklärte mir die Platzbesitzerin, daß ich zum Großparkplatz West fahren solle, von dort seien es nur ein paar Schritte zur Bahn!

Also finde ich mich kurz vor 8:30 Uhr am Parkplatz West ein und suche die Talstation der Gampenbahn. Schon bei der Ortsdurchfahrt suchte ich die Hinweistafeln nach der "Gampenbahn" ab um auch den richtigen Startpunkt zu finden. Jetzt suche ich zu Fuß nach irgendeinem Wegweiser während ich in Richtung der Gondelbahn gehe. Schnell wird mir klar, daß ich wieder einer Falschinfo aufgesessen bin, denn wenn ich jetzt die von der angenommenen Bergstation zu Tal führenden Drahtseile verfolge, hätte ich jedenfalls auf einem östlich am Ortseingang gelegenen Parkplatz den nächsten Zugang zur Gampenbahn gehabt. So habe ich schon mal eine Trainingseinheit zu absolvieren, bis ich an der Talstation ankomme. Auf meine Erkundigung nach den Abfahrtszeiten sagt mir der Kassierer daß die letzte Bahn bereits um 15:45 h vom Kapall talwärts fährt. Da somit die Überschreitung sowohl über den Klettersteig, wie auch der Rückweg am Wandfuß gegangen werden muß, meint der Einheimische ich solle mir auf gut Glück eine Berg- und Talfahrt nehmen die ja nur 2 € teurer als die Bergfahrt sei und den KS vom Kapall über die Weißschrofenspitze zum Valfagehrjoch gehen. Wenn ich dann zu spät dran sei, könne ich über die Valluga auf einem Weg zu Fuß ins Tal absteigen. Für die Bahnbenutzung würde es jedenfalls sehr eng werden, meint er. Mittlerweile ist es auch schon 9:15 geworden als ich die Gondel bergwärts besteige. Auch in der Bergstation der Kapallbahn rede ich noch einmal mit dem Liftangestellten der meint es wäre "Jacke wie Hose", in welcher Richtung ich den KS gehen würde. Da der Weg zunächst sowieso im Zickzack in Richtung Weißschrofenspitze hinaufführt, schiebe ich meine Entscheidung noch vor mir her.

Am Abzweig Richtung Mattunjoch schaue ich zum Ausstieg des Arlberger KS empor und entschließe mich den Klettersteig direkt von hier aus anzugehen. Bereits um 10:00 h stehe ich am Einstieg und lege den Klettergurt an. Es geht sehr gut am Drahtseil gesichert voran. Die für mich überhaupt schwierigste Stelle des gesamten Klettersteiges finde ich kurz nach dem Aussetzen der Drahtseilsicherung im Aufstieg zur Weißschrofenspitze in einer kurzen Schrofenpassage, wo kurz vor Erreichen der wieder beginnenden Sicherung ein abschüssiges pfadloses Schotterstück überwunden werden muß. Es ist meiner Ansicht nach keine noch so große KS-Schwierigkeit mit Drahtseilsicherung so gefährlich, wie derartige ungesicherte Passagen. Ich bin froh, daß ich diese Stelle nicht mit müden Knochen am Ende der Tour im Abstieg gehen muß. Bald bin ich dann am Gipfel und wende mich der Überschreitung nach Osten zu. Da ich meistens meine Griffe und Tritte im Fels finde, komme ich auch über fast die ganze Strecke mit nur einem Sicherungs-Karabiner zurecht. Dadurch komme ich sehr schnell voran und stehe bereits nach 4 Stunden am Einstieg / Ausstieg auf dem Mattunjoch.

Ich hätte mir mehr Zeit lassen können, wie ich jetzt feststelle, aber die unbekannte Länge und Schwierigkeit des KS mit der Vorstellung, die letzte Bahn um 15:45 h vom Kapall talwärts nicht mehr zu erreichen, ließ mich ohne Pause durch die Route gehen. Der Klettersteig gehört zu meinen bisher schönsten Unternehmungen, da ich ihn weitgehend das Drahtseil nur zur Sicherung nutzend, im Fels kletternd gehen konnte. Von der Schwierigkeit her waren nur zum Schluß an den Türmen einige Stellen etwas anspruchsvoll, ansonsten war es die reine Genußkletterei. Für ihren Klettersteig erhalten die Arlberger von mir die Note 1.

Den weiteren Abstieg und Rückweg zum Kapall trödle ich über die stellenweise noch vorhandenen Schneefelder und breche mir prompt beim Rutschen in ein Schneeloch einen meiner Teleskopstöcke ab. Die Konzentration ist wirklich bis zum Ende voll erforderlich! Die ins Tal führenden Bahnen erreichte ich schließlich locker und fahre mit einem euphorischen Gefühl bei strahlendem, heißen Sommerwetter ins Tal hinunter.

Bilder aus dem Klettersteig