die 5-te August 2015, Österreich, Tirol, Karwendel (Tirol), Kemacher 2480m

Zur Übernachtung lande ich wieder einmal in der Sella-Gruppe, wo ich oberhalb von Wolkenstein seit Jahren einen Stellplatz bei der Ciampinoi-Seilbahn-Talstation nutze. Mittlerweile kassiert man auch hier 12 € für die Nacht, dafür kann man auch die Toiletten benutzen. Zunächst war meine Idee den Stevia-KS zu machen, aber um meinem Körper auch wieder Erholung zu gönnen, entschied ich mich für eine Abfahrt um 5 Uhr früh nach Innsbruck um den Innsbrucker KS dieses Mal in beiden Sektionen zu gehen. Der Vorteil dabei war dass ich ohne verkehrstechnische Probleme aus dem Grödner Tal bis Innsbruck fahren konnte.

Um 7 Uhr frühstücke ich bereits auf dem Parkplatz der Nordketten Bahn bei der Hungerburg. Um 8:30 fahre ich mit der Bahn bis zur Berg-Endstation hinauf und gehe bei angenehmer Temperatur zum Einstieg. Nur wenige Leute sind unterwegs an diesem Montag. Die Aussicht auf diesem KS ist zwar nicht mit den Dolomiten vergleichbar, aber trotzdem auch einmalig. Ungestört und fast alleine gehe ich durch die Sektion 1 bis zum Langen Sattel wo der erste Abstieg zur Seegrube möglich ist.

Dann steige ich zur 2. Sektion auf die ich auch mit Leichtigkeit locker bewältige. Nachdem ich ohne große Beschwerden wieder im Tal ankomme werde ich doch noch bei dem anhaltend guten Wetter in das Zillertal fahren um dort meinen Kurzurlaub mit einer Tour zu beschließen.

Bilder aus dem Klettersteig

Videos aus dem Klettersteig


felsfun.de -

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die 4-te
Hochsommerliche Temperaturen lassen sich am Innsbrucker KS gut ertragen. Auf dem ausgesetzten Grat sorgt der leichte Wind für Abkühlung. Die Aussicht ist gigantisch, allerdings auch etwas getrübt durch leichte Wolkenbildung. Obwohl normalerweise an einem Sonntag Hochbetrieb herrscht, ist es heute erstaunlich ruhig im KS. Vielleicht hat die nachmittags zu erwartende Gewitterbildung oder auch die in der letzten Woche abgelaufene Bergrettung zweier Bergsteiger am Kemacher dafür gesorgt. Immer wieder kommt es ja vor, dass unbedarfte an Selbstüberschätzung leidende ohne entsprechende Ausrüstung und Tourenvorbereitung hier unterwegs sind. Da man mit der Seilbahn fast direkt an den Einstieg des KS gelangt sind manche versucht die Tour zu unterschätzen. Immerhin bewegt man sich hier ständig in einer Hochgebirgsregion über 2000 m und jede Wetterverschlechterung hat für nicht ausreichend mit der notwendigen Kleidung und Erfahrung ausgestattete Bergsteiger sehr schnell dramatische Folgen. Dann muss wieder einmal die Bergrettung ausrücken um die um Hilfe suchenden zu bergen. Wir brechen jedenfalls heute unsere KS-Tour nach dem Teil 1 über den Normalabstiegsweg zurück zur Seegrube ab, da schwere Gewitterwolken heraufziehen. Die Begehung eines KS bei Gewitterneigung sollte man auf jeden Fall vermeiden.

Später bei der Heimfahrt auf der Inntalautobahn erleben wir auch tatsächlich einen Hagelschauer der in atemberaubender Geschwindigkeit die Autobahn mit weißen Hagelkörnern und herumfliegenden Ästen und Blättern bedeckt.

die 3-te

Im Tal strahlender Sonnenschein, im Klettersteig schneidende Kälte. Durch den Zustieg mit der Nordkettenbahn mit der man in wenigen Minuten vom Hungerburgparkplatz auf 2256 m befördert wird, kann man leicht den Temperaturunterschied in der Hochgebirgsregion unterschätzen. Mich empfängt jedenfalls bei stark bewölktem Himmel ein kalter Wind und da auch die Sonne nur vereinzelt durch die Wolken kommt, bleibt es während der ganzen Tour auf dem meist ausgesetzten Grat eine kalte Angelegenheit. Die Aussicht ist zwar gigantisch, aber die Leichtigkeit des Kletterns in lockerer Bekleidung bleibt dieses Mal auf der Strecke. Einmal mehr stelle ich fest, dass die Schwierigkeitsempfindung eines Klettersteiges stark von der Erfahrung und der dadurch entstehenden Routine abhängig ist. Während sich manche Touristen im KS abmühen, empfinde ich jetzt die Route einfach und muss mich regelrecht zum Einhängen meines Klettersets motivieren. Der gesamte Klettersteig bietet ausreichende Griffe und Tritte und auf dem Grat, wo das Drahtseil am Boden liegt, ist auch bei eingehängtem Set Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unerlässlich. Im Teil 1 des KS sind einige Drahtseilbefestigungen locker, was wohl von dem enormen Gewicht mancher Kletterer, die sich ängstlich in diese Sicherung hineinhängen liegt.

Insgesamt eine schöne Tour, bei der Hochtourenausrüstung und -kleidung sehr sinnvoll ist.

die 2-te

Gestern noch in den Dolomiten, wo jetzt eine Schlechtwetterfront das Wettergeschehen bestimmt, bin ich heute schon wieder auf der Heimreise und mache noch in Innsbruck Halt. Hier zeigt sich die Nordkette im Sonnenlicht, weshalb ich  zur Nordkettenbahn hochfahre um den Innsbrucker Klettersteig noch mitzunehmen.

Es ist fast wie verhext, als ich von der Bergstation aus zum nahen Einstieg hinüber gehe, herrscht dichter Nebel. Nach dem Anlegen des Klettersets reißt es aber auf und ich sehe schon eine Schlange von Klettersteiglern in den ersten Drahtseillängen herumlaborieren. Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, dass gerade in leicht erreichbaren Klettersteigen so viele untrainierte und überforderte Kletterer anzutreffen sind. Obwohl grosse Hinweisschilder an den Einstiegen dieser Klettersteige immer wieder die volle Ausrüstung vorschreiben, verbunden mit der Angabe der zu erwartenden Schwierigkeit, ist es gerade an Wochenenden immer wieder zu sehen, wie unbedarft viele diese Touren angehen. Nur gut, dass man im Schrofengelände problemlos diese Leute überholen kann, sonst wäre es vorbei mit der Kletterfreude. Kurz nach der Seegrubenspitze habe ich die Meisten hinter mir gelassen und bewege mich nur noch mit wenigen Kletterern auf dem traumhaften Klettersteig. Es ist eine unbeschreibliche Aussicht nach allen Richtungen und immer wieder muß ich meinen Blick vom Rundumblick losreissen und mich auf die Route konzentrieren. Alle Sicherungen sind in einem hervorragend gewarteten Zustand. Nach dem Aufstieg vom Langen Sattel, am Beginn des Teil 2, beeile ich mich, den zunächst erforderlichen Abstieg durch die steinschlaggefährdete Zone schnell hinter mich zu bringen. Im Rückblick beobachte ich ein Pärchen, Er mit Stirnband, Sie mit Kopftuch, wie sie sich in diesem Steig in aller Ruhe bewegen. Gottvertrauen muss man eben haben. Aber ob sie bei dieser Gefahreneinschätzung bei Klettersteigtouren alt werden, sei dahin gestellt. Der Abstieg über die Leitern am Ende (oder Beginn) des Innsbrucker Klettersteiges Teil 2 bringt noch einmal etwas Nervenkitzel, dann geht es auf dem Schmidhubersteig zurück zur Mittelstation der Nordkettenbahn. Bei der Fahrt hinunter in's Tal beobachte ich die MTB-Fahrer, die im Rahmen eines Rennens in der Falllinie unter der Seilbahn den Berg hinunter rasen. Unglaublich, dass sich dabei keiner den Hals bricht. Wie angenehm hat es da doch der Klettersteigler, der sich trotz atemberaubender "Luft unter den Sohlen", bei entsprechender Sicherung am Drahtseil, seinen "Kick" holen kann.

die 1-te 

Der Innsbrucker Klettersteig ist wegen seines direkt neben der Bergstation Hafelekar gelegenen Einstieges ein vielbesuchter KS. Da ich schon mit der ersten Gondel hinauffahre, kann ich aber in aller Ruhe vor dem "Feld" der nachkommenden Kletterer die Route durchsteigen. Die Sicherungen sind perfekt und die Aussicht auf dem meist über die Grate führenden KS gigantisch. Hinter mir folgen schon viele Kletterer und ich bin froh, in meinem Abschnitt noch alleine gehen zu können. An schönen Wochenenden ist hier sicher mit starkem Andrang zu rechnen. Teil 1 des KS ist leicht, Teil 2 beginnt mit einem langen Abstieg bei dem bei starker Begehung sicher mit Steinschlag zu rechnen ist. Bei mir ist alles ruhig und ich genieße die ideal angelegte Route bei der ich das Drahtseil nur zum Sichern benutzen muß. Die fast überall ausreichend vorhandenen Griffe und Tritte im Fels lassen echte Klettergefühle aufkommen. Auf den vielen schmalen Gratüberschreitungen ist Gleichgewichtsgefühl und Schwindelfreiheit angesagt. Nur bei den letzten Eisenklammern am Ausstieg wird noch einmal der Bizeps gefordert. Leicht überhängend geht es zu den Ausstiegsschrofen hinunter. Dann gehe ich auf dem markierten"Schmidhubersteig" hinüber zurSeegrube, der Mittelstation der Seilbahn.

Im Rückblick war es eine schöne Tour, die mich durch die Aufstiegshilfe mit der Bahn völlig ausgeruht am Einstieg ankommen ließ.