(Tannheimer Alpen, 2130 m)

 
Um es vorweg zu sagen, die Lachenspitze trägt ihren Namen zurecht, denn es bleiben keine Wünsche offen!
Als ich von Tannheim aus in Richtung Vilsalpsee am frühen Morgen abbiege, passiere ich ein Durchfahrtsverbotsschild das die halbe Straße sperrt. Auf einer daneben stehenden Tafel ist allerdings beschrieben, daß die Auffahrt zum See bis 10 Uhr erlaubt sei. Zwar habe ich keine Ahnung, was denn hier nun Sache ist, ignoriere das Verbotsschild aber und fahre anschliessend problemlos hinauf bis zu einem großen Parkplatz mit Schranke wo ich später am Kassenautomaten 6,5 € bezahle. Mit dem MTB fahre ich am See entlang bis zum Abzweig zur Landsberger Hütte. Auch hier am See ist wieder eine Straßensperre mit Hinweis auf Steinlawinenabgang zu ignorieren. Wahrscheinlich eine Frage der Haftungsbeschränkung die zu diesen Maßnahmen führt. Die Straße ist jedenfalls ungehindert passierbar und nachdem ich das Bike im Wald abgestellt habe, mache ich mich auf den Anstieg zur Lachenspitze. Der Weg zieht sich in die Länge, ist aber eine sehr schöne Wanderung über einige Geländestufen vorbei am Traualpstausee über einen versicherten Wegabschnitt hinauf zurLandsberger Hütte. Dort steht die gewaltige Nordwand der Lachenspitze vor mir. Einige Frühaufsteher sind bereits in der Wand und so gewinne ich schon einen Eindruck der Kletterroute.
lachenspitze
Am Wandfuß angekommen sehe ich einige Klettersteig-Übungsabschnitte und erst die letzte Sicherung führt in den zum Gipfel führenden Klettersteig. Die Sonne versteckt sich hinter schweren Wolken, aber der Wetterbericht hat stabile Verhältnisse vorausgesagt. Mal sehen, wie sich die Lage entwickelt. Es braucht einige Drahtseilmeter, bis sich mein Pulsschlag normalisiert, denn bereits die steile Einstiegswand bringt mich gehörig in's Schnaufen. Es ist immer wieder das selbe, wenn man nach einem längeren Zustieg das Kletterset anlegt und die Karabiner in das Drahtseil einhängt, steigt der Adrenalinspiegel an. Gerade wenn es ein noch unbekannter Klettersteig ist, den man zum ersten Mal begeht, weiß man doch nicht genau ob man den Schwierigkeiten problemlos gewachsen ist. Nach dem ich die ersten Meter geschafft habe legt sich meine Anspannung und fortan geniesse ich die gigantische Aussicht und die perfekt gelungene Routenführung in wunderbar griffigem Fels. Nur wenige Eisenklammern sind gesetzt, jedoch immer dort wo ein sicherer Stand zum Umhängen diese erforderlich macht. Vorbildlich sind die Umsetzstellen wo ein Drahtseil endet und ein neues beginnt angelegt. (Die Erbauer des Mauerläufersteiges im Alpspitzgebiet könnten sich hier ein Beispiel nehmen für diese Stellen!) So geht es den gesamten Klettersteig gut gemischt mit anspruchsvollen und leichten Passagen bis zum Gipfelkreuz hinauf. Wenn die Ausrichtung des KS auch noch südseitig wäre, wäre es ein wirklicher Traumklettersteig. Es ist schon beachtlich, dass immer wieder neue Routen in dieser Qualität entstehen die es dem sicherheitsbewussten Bergsteiger ermöglichen, Felswände dieser Art problemlos und allzeit gesichert zu durchsteigen.
Die Aussicht vom Gipfel aus ist wieder einmal unbeschreiblich. Der Abstieg, dem Wegweiser zur Landsberger Hütte folgend ist einfach, wobei eine etwas schwieriger erscheinende Variante auch in Richtung Norden vom Gipfel aus markiert ist. Ich folge der einfachen Route, denn der Abstieg gerade auch bei den am Himmel hängenden dunklen Wolken ist auch noch ein weiter Weg. Nach einigen Regentropfen scheint zum Schluß auch noch die Sonne, sodaß die Unternehmung einen unvergesslichen Eindruck auf mich macht. Im gesamten gesehen ein Highlight unter den neu erbauten Klettersteigen von dem man schwärmen kann.

Videos aus dem Klettersteig


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