die 2-te

Sellrain, Pockkogel 2807 m

Mit dem Dreiseenlift fahre ich zur Bergstation und steige hinauf zum Einstieg. Keine Menschenseele ist im KS unterwegs. Die Sicherungen sind scheinbar ganz neu. Allerding scheinen mir die Trittklammern zu dünn ausgelegt. Mal sehen wie sich die Klammern im Lauf der Zeit verbiegen. Sie stehen zudem ziemlich weit von der Wand weg und ein Schwergewicht kann sie verbiegen. Ansonsten echtes Kletterfeeling. Griffe und Tritte sind hauptsächlich im Fels zu suchen was aber bei der plattigen Felsstruktur überall möglich ist. Vor dem Gehgelände kommt eine überhängende Schlüsselstelle die nicht ohne ist. Am Ende des Geröllfeldes muss ich noch einige Schneefelder queren dann kommt der zweite Abschnitt. Die Schwierigkeiten halten an. Meist vertikal nur vereinzelt mal mit Unterstützung durch eine Klammer. Ein Schild mit der Aufschrift „PARKPLATZ“ verweist auf eine kleine Bank in der Wand. Die Erbauer hatten eben ihren eigenen Humor denn nur mit akrobatischer Übung ist die Bank zu erreichen. Bei Erreichen der Scharte kann ich endlich wieder ruhig durchschnaufen. Der Steig wechselt hier von der Nord- auf die Südseite. Nach einer leichteren Querung kommt dann im Gipfelmassiv noch eine schwere Verschneidung wo ich mich nur durch Stemmen und Spreizen im Fels hocharbeiten kann. Dann lassen die Schwierigkeiten etwas nach und der Gipfel ist erreicht.

Ich gönne mir nur eine kurze Pause, denn die Wolkenstimmung lässt aufkommenden Regen erwarten. In dieser Höhe möchte ich nicht gerade von einem Gewitter überrascht werden. Schon fast auf Höhe des Stausees kommt der erwartete Regen. Wie schon bei meiner ersten Besteigung hatte ich den Fehler gemacht, eine Berg- und Talfahrt zu kaufen. Der Rückweg bergauf zur Bergstation der Bahn ist sicher wesentlich anstrengender als der normale Abstieg. Langsam merke ich doch die in den letzten Wochen zurückgelegten Höhenmeter. Beim nächsten Mal werde ich das sicher berücksichtigen.

Der Pockkogel ist auf alle Fälle eine ausgesprochene Hammer Tour. Perfekt gesichert mit permanentem Felskletterkontakt.

Bilder aus dem Klettersteig

Video aus dem Klettersteig


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Was macht man am Besten an einem voraussichtlich schönen Sonntag? Natürlich einen Klettersteig im Nahbereich von München. Der Kühtaier Panorama Klettersteig steht schon einige Zeit auf meiner Strichliste! Es soll ein neuer KS sein, 2005 fertiggestellt und gerade vor 2 Wochen feierlich eröffnet. "Ein herrlicher Klettersteig im Granit der Sellrainer Berge" so wird der KS von Kühtaier Tourismusmanagern bezeichnet.

Um möglichst ausgeruht den Steig zu begehen, bin ich schon am Samstag Nacht ins Sellraintal gefahren. Um 8 Uhr stehe ich schon an der Talstation der Drei Seen Bahn deren erste Bergfahrt für 9 Uhr angegeben ist. Je näher die Startzeit rückt, desto mehr Besucher drängen sich vor der Kasse. Auch eine Alpenvereinsgruppe trägt kurz vor 9 zum erheblichen Gedränge an der Kasse bei. Ich warte den großen Andrang ab und kaufe mir als alle weg sind eine Berg- und Talfahrt. Noch denke ich, daß die meisten Bergsteiger sicher eine andere Bergtour unternehmen werden, da der KS mit D/E bewertet ist und demnach wahrscheinlich einige schwierige Stellen zu bewältigen sein werden.

Nachdem ich von der Bergstation den Weg zum KS einschlage, merke ich jedoch sehr bald, daß sich der Hauptstrom der Bergler in Richtung KS-Einstieg bewegt. Das kann ja heiter werden, denke ich mir und lege bei meinem Aufstiegstempo einen Zahn zu. Vor dem Einstieg herrscht dann dichtes Gedränge. Da ich aber schon einige vorher überholt hatte und auch meinen Klettergürtel nebst Ausrüstung sehr schnell angelegt habe, gelingt es mir tatsächlich vor dem großen Trail als Erster einzusteigen. Hinter mir kommt aber sofort einer im Eilzugstempo nachgestiegen und nach einigen Höhenmetern will ich ihn vorbeiziehen lassen, weil mich sein Geschnaufe aus der Ruhe bringt. Er will aber nicht vorbei gehen und so steige ich bis zur ersten schwierigen Stelle empor. Hier hänge ich jetzt meinen Rucksack an den Nagel um zu fotografieren. Der Nachkommer muß jetzt an mir vorbei gehen. Als ich nach einer Pause weiter gehen will, hängt der Mann immer noch in dem schwierigen Abschnitt fest. Es ist ein leicht überhängendes Stück, das ihm den Atem raubt! Er klettert wieder zurück und läßt mich wieder voraus gehen. Ich muß zwar auch meinen Bizeps einsetzen, aber mit entsprechender Technik ist die Stelle schnell überwunden. Über rutschige Schrofen geht der ausgetretene Pfad weiter. Mein Schatten hat nun auch die D/E-Stelle überwunden und pusht hinter mir nach. Dadurch bin ich etwas unkonzentriert und verfolge wie ich später feststelle die falsche Spur nach oben. Der Pfad verliert sich plötzlich im brüchigen, rutschigen, steilen Schrofengelände und ich beschließe umzukehren. Mein Verfolger brummelt zwar etwas von weitersteigen usw. aber als ich einfach vorsichtig zurückrobbe, kehrt auch er um. Mittlerweile sind auch einige Bergsteiger nachgekommen und rufen uns zu, ein Steinmandl gesehen zu haben. Nach kurzer Zeit sind wir auf dem unterhalb nach rechts führenden Pfad angekommen und gehen in eine Schuttmulde hinüber. Die Markierung ist absolut dürftig und durch die vielen "Verhauer" kommt man leicht in unwegsames Gelände.

Von der Schuttmulde führen dann einige verwaschene orange Markierungspunkte hinüber zum Einstieg des zweiten Teils, der schließlich in gut gesicherter Route zum Gipfel des Pockkogels führt.

Für mich war der KS kein Highlight. Da es am Vortag geregnet hatte, war die gesamte Route sehr naß und rutschig. Der Steig führt in weiten Teilen durch loses Gestein und jeder Tritt muß vorsichtig ausgeführt werden um Steinschlag zu vermeiden. Den gepriesenen "Granit der Sellrainer Berge" habe ich weitgehend vermisst. Sehr schön ist bei guter Sicht sicherlich das Panorama. Die Versicherung ist durchweg sehr gut, die Eisentritte werden wohl nach einigen Jahren arg verbogen sein, da sie bei Belastung jetzt schon nachgeben. Alles in allem war es ein interessanter KS, den ich jedoch nicht mehr besuchen werde.