Wallis,Daubenhorn 2942 m

„Der Daubenhorn/Leukerbader-Klettersteig ist ein Klettersteig der Superlative. Gut 2 km Stahlseil und 200 Leitermeter wurden verbaut, um den Höhenunterschied von fast 1000 Hm zu überwinden. Insbesondere die extrem langen, teilweise überhängenden Leitern verlangen eine ordentliche Portion Kondition. Obwohl unzählige Eisenstifte und -klammern die schwierigsten Stellen entschärfen, erreicht der Klettersteig je nach Variante trotzdem E.“

So wird der Klettersteig in KS-Führern beschrieben. Daher sollte er in meiner Sammlung nicht fehlen. Um 8 Uhr fahre ich mit der ersten Gondel der Gemmi-Seilbahn zum Gemmipass hinauf. Der Himmel ist mit einer grauen Wolkenschicht überzogen. Langsam folge ich der großen Anzahl an Kletterern zu Ausgangspunkt der Tour. Weit geht es zunächst wieder bergab bis zur Unteren Schmitte. Dort angekommen hat sich die Sonne noch immer nicht gezeigt. Ich lasse die Menge der Kletterer aufbrechen und bin immer noch unschlüssig, diese hochalpine Tour jetzt anzugehen. Nach einer halben Stunde reißt die Wolkendecke plötzlich auf und der blaue Himmel wird sichtbar.

Bilder aus dem Klettersteig

Video aus dem Klettersteig


felsfun.de -

 

Jetzt steht meinem Aufbruch nichts mehr entgegen. Eine lange exponierte Querung teils gesichert, teils ungesichert führt bis zu den ersten Klettermetern. Schnell bin ich von der oft Felskontakt erfordernden Routenführung begeistert. So geht es dann auch über den gesamten Klettersteig wo oft nur durch die Wahl eines Im Fels zu suchenden Griffes oder Trittes Kraftsparendes Weiterkommen möglich wird. Viele Leitern führen über total ausgesetzte glatte Wände nach oben. Durch meine lange Pause am Anfang kann ich ohne Stau in aller Ruhe klettern. Erst im Beginn des „Großen Klettersteiges“ muss ich Staupausen einlegen. Einige Gruppen blockieren hier das zügige Weiterkommen. Hier kann ich wieder beobachten, wie sich manche an einfachen Stellen abmühen, weil sie keinerlei Klettertechnik beherrschen. Hinzu kommt der Konditionseinbruch nach den vielen Klettermetern. Noch ahne ich nicht, wie lange sich der KS bis zum Gipfel noch hinziehen wird. Auch ich werde schließlich noch ordentlich ins Schwitzen kommen.

Die schwächsten Gruppen kann ich überholen. Bei der „Via Konst“ raste ich und grüble wann endlich der KS zu Ende sein wird! Weit zieht sich über einen Schotterrücken ein Pfad hinauf. Doch immer wieder tut sich ein neuer Kletterabschnitt auf. Als ich die 30 Meter lange Leiter in der Gipfelwand sehe, bin ich ehrlich froh, den Ausstieg des KS vor mir zu haben.

Ein grandioser Blick in die weite Gletscherlandschaft des Abstieges eröffnet sich mir. Ich überwinde den inneren Schweinehund und erklimme die restlichen Meter zum Gipfel.

Nach der verdienten Gipfelrast geht es im Abstieg anfangs über Schneefelder abfahrend schnell hinunter. Dann folgt ein langer Abstieg über den Lämmerboden zurück zur Gemmibahn. Der kurze, aber steile Anstieg zur Bergstation fordert noch einmal alle Kraftreserven, dann schwebe ich auch schon hinunter ins Tal. Überrascht stelle ich unten fest, dass ich trotz der Anfangspause und der vielen Fotopausen doch mit 8 Stunden Dauer zurechtgekommen bin.

Es war insgesamt einer der eindrucksvollsten Klettersteige die ich besucht hatte. Völlig anders als z.B. in den Dolomiten, aber in seiner Art einzig. Ein super Klettersteig!