Via Ferrata Rino Pisetta Mai 2018
Via Ferrata Rino Pisetta Mai 2018
 

Nachdem ich den Mori Klettersteig problemlos durchstiegen habe bin ich heute am Rino Pisetta unterwegs. Eine Unsicherheit besteht zur Zeit im ständig wechselnden Wettergeschehen. Starke Gewitter bilden sich täglich und in der riesigen Wand des Dain Picol gibt es keine Notausstiege. Der Zustieg ist mittlerweile mit vielen Hinweisschildern ausgestattet. Nur im Bereich unter dem Wandfuß kann man sich immer noch leicht versteigen.

Außer mir ist wieder einmal niemand hier unterwegs und so lege ich in aller Ruhe mein Kletterset an und steige in die Wand ein. Die ersten Meter sind kraftraubend. Nur das straff gespannte Drahtseil ohne weitere Eisentritte begleitet mich bei diesem Steig. Die ersten Meter habe ich geschafft und hänge mich atemlos in meine Expressschlinge ein. Nach den im Vergleich französischen Klettersteigen wo meistens durchgehend Eisenklammern den Aufstieg auch in schwierigen Passagen ermöglichen ist hier Klettern angesagt. Kleine Risse und Felstritte müssen erkannt und genutzt werden. Rechtzeitiges Umhängen der Sicherungskarabiner ist wichtig damit man flüssig über schwierige Stellen kommt.

Obwohl ich den Pisetta schon viele Male durchklettert habe keimt in mir der Gedanke nach Umkehr auf. Es ist einfach eine große Umstellung nach den in den letzten Wochen durchstiegenen französischen Klettersteigen. Vielleicht ist es auch mein fortgeschrittenes Alter was diese Gedanken in mir hervorruft. Wie viele sind denn noch jenseits der Siebzig in solchen Klettersteigen unterwegs? Doch die Faszination des Kletterns überwindet meine Bedenken und mit jedem Meter den ich nach oben zurücklege steigt wieder meine Zuversicht und meine Bewegungen werden zunehmend flüssiger. Es ist auch die perfekte Drahtseilsicherung die durchgehend in kurzen Abständen in der Wand verankert ist die mich beruhigt. Es zeigt dass die Erbauer Profis waren. Im ganzen Steig sind nur weniger als zehn Eisenbügel und einige alte verrostete Eisenstifte in schwierigen Stellen vorhanden. Damit übersteigt der Steig in seinen Schwierigkeiten wesentlich den früher als schwersten KS bezeichneten Mori-Albano-Klettersteig der nach seiner jüngsten Sanierung entschärft worden ist.

Glücklich und zufrieden lasse ich mich am Ende des KS auf der hier vorhandenen Bank nieder. Ich genieße die grandiose Aussicht und freue mich diese Herausforderung doch wieder ohne Probleme geschafft zu haben. Die mentale Komponente spielt im Klettern neben der körperlichen Fitness eben eine große Rolle.

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